Kleines Rätsel: Wie soll Anna sich entscheiden? 

In der Wochenreihe zum Thema „Entscheidungen“ geht es jetzt weiter mit Annas Perspektive. Sie ist immer noch krankgeschrieben und auf dem Weg der Besserung. Auf der Hochzeit von Lina und ihrem ehemals besten Freund war sie auch kurz.

Es ist so weit alles okay. Mittlerweile ist Hochsommer. Anna sitzt in einem Biergarten und genießt ihren Kaffee. Das macht sie jetzt einmal am Tag, damit es ihr leichter fällt vor die Tür zugehen, geht sie einmal am Tag einen Kaffee trinken. Sie geht immer in das gleiche Lokal, alles andere überfordert sie noch ein wenig.

Gestern hat sie ausgerechnet, wie lange sie sich noch ausruhen kann. Wie lange sie mit ihren finanziellen Möglichkeiten noch zurechtkommt. Sie hat noch 8 Monate, dann muss sie wieder fit sein. Das hilft ihr. Das Gefühl, wieder 8 Std. am Tag arbeiten zu gehen, erdrückt sie ein wenig. Es wäre schön, wenn sie noch eine andere Lösung finden würde.

Sie hat ihren Laptop in den Biergarten mitgenommen. Manchmal macht sie das, um ihren Gedanken auch direkt eine Google-Suche folgen zu lassen. Heute wird sie nicht nur einen Kaffee trinken, sondern auch eine Apfelschorle und vielleicht isst sie auch hier etwas.

Sie muss viele Entscheidungen treffen. Fein säuberlich hat sie sich in ihrem Notizbuch eine Liste geschrieben. Die Liste ist ihr wichtig. Wenn sie die 8 Monate für sich nutzen will, dann muss sie ein paar Entscheidungen jetzt treffen. Nur wer seine Zukunft plant, der hat auch eine. Sie möchte einfach sich und ihrem Körper endlich das schenken, was sie verdient hat und ist auch bereit dafür wieder ihren Weg in die Disziplin zu finden.

Wir schauen jetzt gemeinsam auf Annas-Liste und ich möchte dich bitten mitzuentscheiden. Entscheide immer aus dem Bauch heraus. Wenn du Annas Geschichte nicht kennst, ist das nicht schlimm. Du kannst die Fragen dennoch beantworten. Ich möchte dir mit ihrer Liste etwas zeigen, was für dich und deine Entscheidungen wichtig sein kann und wir im Abschlussvideo zum Wochenthema auch noch mal tiefer besprechen werden.

  • Entscheidung: 20 kg Abnehmen mit oder ohne Fitnessstudio?

Durch das letzte Jahr hat Anna ordentlich zugelegt. Sie möchte gerne so schnell wie möglich ihre Kilos loswerden. Sie rechnet sich aus, wie schnell sie die 20 kg herunterbekommen könnte. 0,2 kg pro Tag Abnahme sollten realistisch sein. Das bedeutet, dass sie in ca. 3,5 Monaten endlich wieder ihr Wohlfühlgewicht erreicht hat. Das schafft sie. Sie fühlt sich motiviert bei dem Gedanken. Sie rechnet ihren Grundumsatz aus. Sie recherchiert nach einem Essensplan. Denn sie weiß, dass sie noch nicht genug Kapazitäten frei hat, um sich täglich neue Gerichte auszudenken, die sie essen kann. Sie braucht einen klaren Plan. Sie sucht sich zwei Fitnessstudios in ihrer Nähe heraus und ruft dort an. Das eine Fitnessstudio kostet sie einen kleinen Betrag im Monat, den sie gut stemmen kann. Beim zweiten Studio erfährt sie, dass dies ein Frauenfitnessstudio ist. Dort kann sie in Ruhe trainieren, auch an den Yoga- und Pilatesstunden teilnehmen. Es gibt einen großen Wellnessbereich mit Sauna und Solarium. Sie kann sich zweimal im Monat eine Trainerstunde buchen und wird im Training immer begleitet. Anna legt auf. Was für ein tolles Gefühl. Vielleicht kann sie im zweiten Studio auch neue Menschen kennenlernen. Es wäre schön, wenn sie nicht mehr in das alte Yoga-Zentrum zu Beate gehen müsste. Sie würde gerne einfach mal neu anfangen. Für das Frauenfitnessstudio muss Anna etwas tiefer in die Tasche greifen. Die Aufnahmegebühr beträgt 250 Euro und monatlich muss sie für das, was sie buchen möchte, 129 Euro zahlen. Anna hat das Geld. Vielleicht bedeutet, dass sie dann nicht ganz 8 Monate mit ihrem Geld auskommt. Anna hat das Gefühl, dass es dennoch völlig okay ist, denn vielleicht wird sie dadurch auch schon viel schneller wieder fit und arbeitsbereit und sie möchte sich selbst einfach gerne etwas schenken. Sie bucht ihre Mitgliedschaft beim Frauenfitnessstudio. Sie fühlt sich richtig gut. So muss sich Selbstliebe anfühlen.

  • Entscheidungen – Neue Wohnung oder Renovieren?

Anna liebt ihre Wohnung. Sie mag es dort zu leben. Jedoch fehlt ihr ein Balkon. Sie würde so gerne einfach mal nach draußen gehen können, morgens mit nem Kaffee auf ihrem eigenen Balkon sitzen können, ohne dafür extra das Haus verlassen zu müssen. Anna lebt schon seit 4 Jahren in der Wohnung. Klein, fein und gut finanzierbar. Aber sie ist jetzt bereit, auch das loszulassen. Sie schaut sich in den Wohnungsanzeigen um und ist erschrocken. In den letzten vier Jahren hat sich ordentlich etwas auf dem Wohnungsmarkt getan. Die Mietpreise liegen für das, was Anna sich wünschst, über ihre jetzigen Möglichkeiten. Das kann sie vergessen. Oder? Nein, da ist eine kleine schnuckelige Wohnung mit Balkon in dem Preissegment, den sich Anna sich auch jetzt schon leisten kann. Anna fragt sich, ob sie in diesem Stadtteil leben will. Sie weiß, dass es Gründe für die geringe Miete dort gibt und sie fragt sich, ob sie sich dort sicher fühlen kann.

Eine Bekannte von ihr wohnt in der Gegend und fühlt sich dort sehr wohl. Aber dann müsste Anna ihren geliebten Stadtteil verlassen. Will sie das? Sie merkt, wie sie die Vorstellung traurig macht, nicht mehr ihre gewohnten Wege gehen zu können. Nein, sie will ihre Wohnung auch nicht verlassen. Sie spürt in sich ganz tief, dass sie ihre kleine Wohnung liebt und das es okay ist für sie, dass sie keinen Balkon hat. Sie wird eine andere Lösung finden. Vielleicht kann sie sich für ihrem Fenster eine Bank bauen, sodass sie bei schönem Wetter das Fenster öffnen kann und sich dann dort mit ihrem Kaffee hinsetzen kann. Oh ja, wäre das nicht cool?

Das wäre ja dann fast wie ein Balkon und sie könnte in ihrer Wohnung bleiben. Aber wie baut man sich eine solche Bank? Sie findet ein paar Youtube-Videos. Das sieht toll aus. Jetzt steht ihre Couch noch dort an der Stelle. Wo stellt sie denn dann die Couch hin. Das sieht so toll aus in diesen Videos. Anna überlegt, dass so eine Bank vor ihrem Fenster gar nicht zum Stil ihres Wohnzimmers passt. Eigentlich passt in ihrer Wohnung gar nichts zusammen. In diesen Videos sieht immer alles aus wie „schöner Wohnen“ bei ihr sieht immer alles aus wie „lieber weggucken“ aus. Anna merkt, wie sich ihr Magen zusammenzieht. Dieses Gefühl nicht einfach mal eine schöne Wohnung zu haben. Wie machen diese ganzen Influencer das eigentlich? Wie kann man sich das leisten? Selbst wenn sie voll arbeiten gehen würde, würde sie sich diese ganzen Deko-Sachen immer noch nicht sofort leisten können. „Aber irgendwie passt es ja zu mir“, denkt Anna. Mein Körper sieht auch nicht nach schön aus, meine Wohnung auch nicht. Eigentlich ist alles an ihr gewollt und nicht wirklich gekonnt. Dabei will sie sich doch einfach nur wohlfühlen. Anna beginnt mal auszurechnen, was sie eine komplette Renovierung kosten würde, mit den Dingen, die sie sich wirklich wünscht. Die Summe erschlägt sie. Das hat sie nicht. Sie überlegt, erst mal mit dem Wohnzimmer anzufangen. Neue Möbel, streichen, Stuckimitate an der Decke, neue Couch.

Anna schwirrt der Kopf. Das scheint alles nicht möglich zu sein. Sie bestellt sich noch einen Kaffee. Sie braucht mehr Geld. Aber sie weiß, dass sie noch nicht fit genug ist, wieder arbeiten zu gehen. Sie braucht einfach mehr Geld. Vielleicht sollte sie nebenbei ein bisschen Geld dazu verdienen. Vielleicht ist ja irgendwas möglich. Hatte sie nicht letztens online gesehen, dass man einfach übers Internet Geld verdienen kann? War da nicht eine Frau, die erzählte, dass sie nach ihren Kindern nicht mehr zurück in den Job wollte und jetzt von zu Hause aus arbeitet?

Annas Stimmung erhellte sich. Plötzlich war wieder etwas möglich. Es wäre die perfekte Lösung für sie. Wenn sie nicht in das Büro fahren müsste, sich selbst die Zeit einteilen könnte, dann könnte sie viel mehr schaffen, als wenn sie in den engen Rahmen eines Arbeitsvertrages wieder zurückmüsste. Anna merkte, wie sie plötzlich verstand, dass doch alles möglich ist. Sie kann sie doch gänzlich neu in ihrem Leben entscheiden. Anna überlegte, wie diese Frau noch mal hieß und wo sie diese gesehen hatte? Es war auf facebook oder doch TikTok?

Anna findet diese Frau. In zwanzig Minuten findet zufälligerweise eine online Infoveranstaltung statt. Anna recherchiert. Sie versteht nicht ganz, worum es geht. Das, was sie versteht, ist, dass sie keine eigenen Produkte braucht und sie eine Produktpalette zur Verfügung gestellt bekommt. Anna ist völlig begeistert. Das bedeutet, sie bekommt ein ganzes Business bereitgestellt, ein Verkaufstraining und dann kann sie loslegen. Anna recherchiert weiter und versteht, dass es unterschiedliche Auszeichnungen gibt für unterschiedliche Erfolge. Man kann sich dort wohl auch hocharbeiten und selbst Teams aufbauen. Wie krass. Sie könnte endlich eine Führungskraft werden.

Anna meldet sich an. Sie entscheidet sich, im Biergarten zu bleiben. Sie sucht ihre Kopfhörer aus ihrer Tasche heraus. Sie ist völlig beflügelt. Wie genial wäre das jetzt in ihrer Situation. Die Veranstaltung beginnt. Anna hört aufmerksam zu. Mit ihr sitzen noch 5 andere Teilnehmerinnen dort. Die Veranstalterin sitzt selbst am Strand und erklärt alles. Sie berichtet, dass sie sich von einer Harzt 4 Empfängerin hochgearbeitet hat und jetzt ein eigenes Team leiten würde. Anna ist fasziniert von dem Weg dieser Frau. Ob sie das auch kann? Genau in dem Moment, in dem Anna sich das fragt, wird ihre Frage schon von der Frau beantwortet. „Wenn du dich jetzt fragst, ob du das auch kannst, dann sage ich dir: Ja“. Anna ist irritiert. Kann diese Frau Gedanken lesen? Als die Frau erklärt, dass sie heute ein ganz besonders Angebot hätte für Menschen, die sich gerade nicht das große Paket leisten könnten, spitzt Anna die Ohren. Das muss Fügung sein. Die Frau, die sich am Anfang als Jana vorgestellt hat, erklärt, dass sie heute – aber nur in diesem Call – das Einsteigerpaket, welches sonst 5.000,00 € kosten würde, für die Hälfte anbieten kann. Inklusive Verkaufstraining wäre das der beste Start, den Anna bekommen könnte. Anna ist begeistert und bestürzt zugleich. Sie hat die 2.500,00 €. Aber eigentlich wollte sie diese für die Zeit nutzen, die sie braucht, wieder gesund zu werden. 

Sie merkt den Zusammenbruch noch deutlich. Ist das jetzt nicht vielleicht alles ein bisschen zu früh? Anna traut sich zu fragen, ob es dieses Angebot noch mal geben würde. Vielleicht in einem halben Jahr oder so? Ob man sich vielleicht noch woanders informieren könnte? Jana erklärt ihr, dass sie dieses Angebot offiziell gar nicht machen darf und sie das nur macht, weil sie selbst mal in einer schwierigen Situation war und sie anderen Menschen diese Möglichkeit, die sie damals bekommen hat, auch geben möchte. Manchmal gäbe es im Leben eben diese eine große Chance und diese Chance möchte sie gerne für andere sein. Wenn sie darf würde sie gerne die Chance für Anna sein. Anna fragt, wann man das Geld überweisen müsste? Ob es die Möglichkeit zur Ratenzahlung gibt. Jana erklärt ihr, dass sie in diesem Call einen Link in den Chat gestellt bekommt. Dort kann sie dann ihre Buchung tätigen. Nach dem Call setzt sich der Preis wieder auf die offiziellen 5.000,00 € und das Angebot würde nicht mehr gelten. Entweder sie nutzt jetzt die einmalige Chance oder sie würde weiter in ihrer Situation bleiben. Schließlich würde nur den Mutigen die Welt gehören. „Anna gehörst du zu denen, die sich nicht von der 9 to 5 Falle zerstören lassen?“.

Anna merkt, dass sie das wirklich nicht mehr will. Sie will einfach Leben, einen schönen Körper haben, eine tolle Wohnung und am Strand sitzen. Sie hat das Geld. Sie könnte das erste Mal ihr Geld in ihre Zukunft investieren, nicht mehr in ein Leben, was sich täglich wie Kampf anfühlt. Sie könnte einfach in ein neues Leben starten. Anna merkt, wie ihr warm wird. Es könnte doch noch was anderes in ihrem Leben möglich sein. Die Idee fühlt sich einfach gut an.

Glaubst du, dass Annas erste Entscheidung richtig war? Anna fühlt sich gut in dem Call. Sie merkt, wie sich diese Idee einfach richtig gut anfühlt. Glaubst du, sie wird ihrem guten Gefühl folgen?

 Was würdest du Anna empfehlen?

Ich dachte nicht, dass die Frage in meinem Buch, ob wir den Zusammenbruch wirklich zulassen, nun so schnell Realität wird. Dennoch mag ich dich einladen, weiterzulesen und weiter zu verstehen.